Vorwort

des verstorbenen Pfarrers

Klaus Werner

anläßlich einer Festschrift zum 70 jährigen Gemeindejubiläum 1998




70 Jahre alt wird in diesem Jahr unsere Christus König Gemeinde.

Ihre Geschichte wird an anderer Stelle beleuchtet; ich möchte Ihnen etwas Deutendes zum Namen sagen, mit dem sicherlich so mancher angesichts einer demokratischen Gesellschaft seine Schwierigkeiten hat.

Er ist abgeleitet vom Christkönigsfest. Eine sehr moderne Namensgebung für unsere Gemeinde damals. Das Fest wurde erst im Jahr 1925 durch Papst Pius XI in den liturgischen Kalender eingeführt mit dem päpstlichen Rundschreiben "Quas primas". Es wurde ursprünglich gefeiert am letzten Sonntag des Oktober, seit 1970 als letzter Sonntag des Kirchenjahres. Es bezieht sich auf das Königtum Christi, von dem die Botschaft des NT spricht (z.B. Phil 2, 6-11; Kol 1, 12-20). Nicht nur dieses Fest, son-dern jeder Sonntag ist ein Tag Christi, des Königs der Herrlichkeit.

Eingeführt wurde es nicht so sehr aus liturgischen Gründen sondern als Ideenfest in einer Welt, in der die alten politischen Ordnungen zusammengebrochen waren (Monarchien) und in der sich die neuen Ordnungen als wenig stabil bzw. fragwürdig, ja gefährlich erwiesen. Die Christkönigsidee fordert angesichts einer rapiden Verweltlichung die Anerkennung der Botschaft Jesu in Familie, Gesellschaft und Staat. Ebenso ist sie gedacht als massive Absage an den totalen Machtanspruch von Faschismus und Kommunismus.

Dieses Fest hatte in der Nazi-Zeit in der katholischen Jugend und in der ganzen Kirche Deutschlands einen hohen Erlebnis- und Zeugniswert, besonders durch die Bekenntnissonntage, die an diesem Tag begangen wurden. Wenn sich damals zwei Katholiken sagten "Wir treffen uns am Christkönigsfest", war jede Aussage überflüssig, die ja durchaus lebensgefährlich hätte werden können.

Die Verlegung des Festes auf den letzten Sonntag des Kirchenjahres und die Veränderung der liturgischen Texte nach dem 2. Vatikanum betont mehr den künftigen, den endzeitlichen Charakter des Königtums Jesu Christi, der Ziel eines jeden Menschen, der Menschheits- und Weltgeschichte ist.

Der Gedanke vom Königtum Christi ist sicherlich damals wie heute eine Mahnung, die Botschaft Jesu in allen Bereichen zu verwirklichen. Darüber hinaus ist er ein Aufschrei gegen jeden Totalitarismus, ob er nun daher kommt als Kommunismus, als Faschismus oder als Neoliberalismus, der den Menschen dem freien Spiel der Kräfte der Finanz- und Weltwirtschaftsmärkte unterordnen will. Zugleich ist er Zusage, daß Mensch, Welt und Geschichte nicht den Bach heruntergehen, sondern Ziel und Vollendung haben bei Gott.